Morbus Crohn

Morbus CrohnMorbus Crohn, auch sklerosierende chronische Enteritis oder Enteritis regionalis genannt, ist ebenso
wie die Colitis ulcerosa eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit unklarer Ursache. Die Entzündung kann dabei im gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After auftreten. Am häufigsten sind Personen zwischen 15 und 30 Jahren von Morbus Crohn betroffen. In Deutschland leiden derzeit schätzungsweise 350.000 Menschen an der Erkrankung, wobei die Anzahl der Neuerkrankungen kontinuierlich steigt.

Die Ursachen des Morbus Crohn

Die Ursachen der Erkrankung sind nach wie vor ungeklärt. Forscher vermuten, dass es sich bei der Darmerkrankung um ein multikausales Geschehen handelt. Nach heutigem Kenntnisstand besteht möglicherweise eine genetische Veranlagung für den Morbus Crohn. So fanden Wissenschaftler heraus, dass die Krankheit vermehrt in Familienverbänden auftritt. Dabei wird allerdings nicht die Erkrankung direkt vererbt, sondern vielmehr die Veranlagung. Ob die Krankheit dann schlussendlich ausbricht, scheint von weiteren Faktoren
abhängig zu sein.
Morbus Crohn Darm
Beispielsweise tragen Raucher ein doppelt so hohes Risiko an Morbus Crohn zu erkranken wie Nichtraucher. Eine Rolle spielt zudem psychosozialer Stress. Der Psychoanalytiker und Arzt Franz Gabriel Alexander beschreibt den Morbus Crohn gar als eine psychosomatische Erkrankung. Diese Klassifikation ist umstritten, unbestritten ist allerdings, dass psychosozialer Stress die Symptome in beachtlichem Maße verstärken kann.
Ebenfalls in der Diskussion steht die Ernährung. Ob eine einseitige Ernährung mit vermehrtem Konsum raffinierter Lebensmittel wie Weißmehl oder Zucker wirklich zu Morbus Crohn führt, ist noch unklar.
Selbes gilt für übermäßige Hygiene. Es wird vermutet, dass durch die hohen hygienischen Standards ein Befall mit bestimmten Parasiten verhindert wird, welche wiederum chronische Entzündungsreaktionen des Darms verhindern würden. Ebenso wird diskutiert ob Seifen, Weichmacher und Emulgatoren die natürliche Schleimhautbarriere des Darms zerstören, sodass Bakterien in die Darmwand eindringen können und dort Entzündungen verursachen.

Symptome und Krankheitsverlauf

Der Morbus Crohn beginnt allmählich und verläuft charakteristischerweise in Schüben. Typisch für die Erkrankung sind chronische Durchfälle, die drei bis sechsmal täglich auftreten und häufig von krampfartigen Bauchschmerzen begleitet werden. Im Gegensatz zur Colitis ulcerosa sind die Durchfälle in der Regel nicht blutig. Bauchkrämpfe treten besonders häufig im rechten Unterbauch auf. Nach dem Essen und vor dem Stuhlgang verstärken sich die Schmerzen. Eventuell kommt es zu einer leichten Erhöhung der Körpertemperatur. Auch Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit sowie Übelkeit und Erbrechen können auftreten.
Der Morbus Crohn zeigt sich aber nicht nur im Verdauungstrakt, sondern kann auch Symptome außerhalb des Darms verursachen. Etwa 50 % der Patienten leiden unter diesen sogenannten extraintestinalen Symptomen. Viele der Betroffenen entwickeln Gelenkentzündungen. Auch Hautveränderungen in Form eines Erythema nodosums, verursacht durch eine Entzündung des Unterhautfettgewebes, können auftreten. Weitere mögliche Symptome außerhalb des Darms sind Entzündungen der Augen (Uveitis) oder chronische Entzündungen der Gallenwege (primär sklerosierende Cholangitis).
Die krankheitsspezifischen Symptome der Erkrankung wie beispielsweise die chronischen Durchfälle sind für die Betroffenen oft sehr belastend und schränken das alltägliche Leben ein. Deswegen entwickeln betroffene Personen zusätzlich zum Morbus Crohn oft Angststörungen oder Depressionen.

Mögliche Komplikationen der Erkrankung

Häufig schon vor der Diagnosestellung zeigen sich Fisteln. Fisteln sind röhrenartige Verbindungen zwischen einem inneren Organ, beim Morbus Crohn ist der Darm betroffen, und der Körperoberfläche. Mit Stuhl verschmutzte Unterwäsche, Stuhl im Urin und Stuhlausscheidung über die Scheide sind Zeichen für eine Fistelbildung. Schmerzen verursachen Fisteln nur selten. In etwa 20 % der Fälle kommt es beim Morbus Crohn zu einer Abszessbildung. Dabei bilden sich schmerzhafte Eiteransammlungen vornehmlich in der Analregion.
Durch die Entzündung schwellen die Darmwände an. Zudem kommt es vor allem im späteren Verlauf der Erkrankung zu einer Vernarbung der Darmwand. Man spricht hier von einer Striktur. Durch die Schwellung und die narbige Zusammenziehung der Darmwand kann ein Darmverschluss (Ileus) entstehen.
Viele Komplikationen beim Morbus Crohn fußen auf der Malabsorption. Durch die chronische Entzündung der Darmwände ist die Aufnahme von Nahrungsbestandteilen durch die Darmwand in die Blut- und Lymphbahnen vermindert. Folglich kann es zu einer Unterversorgung mit den Vitaminen A, E, D, K, B12 und Folsäure kommen. Auch Mineralstoffmangel und Eiweißmangel sind möglich. Die Folgen sind zum Teil drastisch. Haut- und Schleimhautveränderungen, Anämien, Gewichtsabnahme und Osteoporose können durch die Malabsorption verursacht werden.

Die Diagnose von Morbus Crohn

Beim Verdacht auf Morbus Crohn werden vom Arzt, bevorzugt vom Gastroenterologen, einige Untersuchungen zur Sicherstellung der Diagnose durchgeführt. Zunächst sollte eine ausführliche Anamnese unter Berücksichtigung der eigenen und der Familienkrankengeschichte erfolgen. Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung tastet der Arzt den Bauchraum ab und sucht nach schmerzhaften Stellen oder Verhärtungen. Zudem wird die Analregion gründlich untersucht und geschaut, ob sich dort Fisteln oder Abszesse finden.
Zusätzlich zur körperlichen Untersuchung wird auch ein Blutbild erstellt. Im Blut finden sich beim Morbus Crohn verschiedene Veränderungen. Eine Erhöhung des C-reaktiven-Proteins (CRP) und eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) weisen auf eine Entzündung hin. Häufig ist die Anzahl der weißen und der roten Blutkörperchen erniedrigt. Eventuell kann ein Mangel an Vitaminen, Mineralien oder Spurenelementen festgestellt werden.
Erhärten diese Untersuchungen den Verdacht auf Morbus Crohn, wird eine Darmspiegelung durchgeführt. Dabei führt der behandelnde Arzt ein Endoskop in den Dickdarm ein und kann so die Darmschleimhaut von innen untersuchen. Im Frühstadium sind hier Verletzungen der Schleimhaut und fleckige Rötungen sichtbar. Im akuten Schub finden sich Geschwüre, Einrisse oder Fisteln, im Spätstadium ist der Darm oft verengt. Zur Sicherung der Diagnose entnimmt der Arzt auch Gewebeproben, die dann im Labor untersucht werden.

Die Behandlung des Morbus Crohn

Grundsätzlich wird bei der Behandlung des Morbus Crohn zwischen der Therapie in akuten Schüben und der Therapie in schubfreien Zeiten unterschieden. Beide Therapien zielen allerdings derzeit nur auf eine Linderung der Erkrankung ab. Eine vollständige Heilung des Morbus Crohn ist noch nicht möglich. Ziel der Behandlung in der schubfreien Zeit ist es, die Anzahl der Schübe zu verringern und wenn mögliche akute Ausbrüche komplett zu verhindern. Diese Therapie erfolgt in der Regel medikamentös mit Immunsuppressiva oder sogenannten TNF-Blockern. In leichteren Fällen wird Kortison eingesetzt.
Im akuten Schub kommen immer Glukokortikoide, also Kortison, zum Einsatz. Bei leichten oder mittelschweren Schüben verbessern sich die Symptome bei fast 90 % der Patienten durch Kortisongabe. In schweren Schüben bringt Kortison immerhin noch bei 50 % der Betroffenen Linderung.
Bei schweren Schüben ist oft eine Diät erforderlich und eine Umstellung auf parenterale Ernährung, das heißt, dass die Patienten durch eine Infusion mit Nährstofflösungen ernährt werden. Dadurch wird der entzündete Darm geschont und einer Unterversorgung mit lebensnotwendigen Nährstoffen vorgebeugt.
In schweren Fällen erfolgt eine chirurgische Entfernung der betroffenen Darmabschnitte. Dadurch ist zwar auch keine komplette Heilung möglich, Komplikationen wie Darmverschlüsse oder gar Darmperforationen können so aber häufig verhindert werden.

Gezielte Ernährung bei Morbus Crohn

Durch die ständigen Entzündungen der Darmschleimhaut und der Darmwände kommt es über kurz oder lang zu einer verminderten Aufnahme von Nährstoffen. Eine gezielte und bewusste Ernährung spielt deshalb bei Morbus Crohn eine wichtige Rolle. Während im akuten Schub oft eine parenterale (Zusatz-)Ernährung erfolgt, sollten Betroffene in der beschwerdefreien Zeit vornehmlich auf eine leichte Vollwertkost zurückgreifen. Milch- und Milchprodukte werden in der Regel nicht besonders gut vertragen. Ebenso sollten zu viele Ballaststoffe, säurehaltige Obst- und Gemüsesorten sowie blähende Gemüsesorten eher gemieden werden. Jedoch reagiert jeder Patient anders auf Lebensmittel, sodass oft erst die eigene Erfahrung zeigt, welche Lebensmittel tatsächlich vertragen werden. Ein individueller Ernährungsplan ist daher unerlässlich.