Komplikationen von Morbus Crohn

Patienten, die unter Morbus Crohn leiden müssen im Rahmen von entzündlichen Schüben oft bereits zahlreiche unangenehme Symptome verkraften. Durchfall, heftige Bauchschmerzen und Krämpfe reduzieren die Lebensqualität. Erscheint Morbus Crohn an sich bereits anstrengend genug, wird die Erkrankung darüber hinaus in einigen Fällen auch von weiteren Komplikationen und Risiken begleitet. Aufgrund schwerwiegender Erscheinungen sollten Menschen, die Morbus Crohn typische Symptome aufweisen, stets einen Arzt konsultieren. Nur durch eine fachgemäße Behandlung lässt sich die Gefahr von Komplikationen eindämmen.

Fisteln

Fisteln stellen einer der unangenehmsten Begleiterscheinungen dar. Sie treten dann auf, wenn sich die Entzündung bereits über alle Wandschichten des Darms ausgebreitet hat. Im Rahmen eines solchen Verlaufs von Morbus Crohn kann die Darmwand brechen, so dass sich Verbindungsgänge zu anderen Organen entwickeln. Insgesamt leiden ungefähr 40 Prozent aller Betroffenen unter einer so genannten Fistel. Die Gänge verbinden entweder zwei verschiedene Darmabschnitte miteinander oder sie sind so weitreichend, dass sie Haut, Blase oder Scheide betreffen. Über Fisteln können Bakterien und Stuhlgang in andere Regionen eindringen und dort Entzündungen verursachen. Dementsprechend wird das Vorliegen einer Fistel in der Regel auch über Ausscheidungen wie den Harn bemerkt. Im Rahmen der Behandlung wird oft eine Drainage gelegt, um den Eiter nach außen abzuleiten. Auf diese Weise sollen die Fisteln selbstständig abheilen. Gelingt dem Körper die Wiederherstellung des Gewebes nicht, muss operiert werden.

Fissuren

Fissuren erinnern an Fisteln, sind in ihrem Ausmaß jedoch etwas milder. Die entzündete Darmwand weist keinen durchgehenden Bruch auf, sondern einen Einriss. Fissuren werden normalerweise als sehr schmerzhaft empfunden. Die Beschwerden setzen häufig während des Stuhlgangs ein können danach noch einige Stunden anhalten. Oft leiden die Patienten an einem Brennen und starkem Juckreiz im Analkanal. Betroffene versuchen häufig, den Gang zur Toilette aufgrund der Schmerzen aufzuschieben. Dadurch wird dem Kot jedoch noch mehr Wasser entzogen, so dass er eine härtere Konsistenz annimmt und zu stärkeren Komplikationen während des Toilettengangs führt. Als Behandlung eignet sich neben Medikamenten die passende Ernährung.

Abszessbildung

Abszesse stellen weitere Komplikationen dar, die im Rahmen von Morbus Crohn auftreten können. Ingesamt leiden ungefähr 20 Prozent aller Morbus Crohn- Patienten unter der Bildung von Abszessen. Diese entstehen dann, wenn absterbende Zellen einen Hohlraum hinterlassen, der mit Eiter gefüllt ist. Besonders häufig können Abszesse im Bereich von Mastdarm und Anus beobachtet werden. In vielen Fällen macht sich Morbus Crohn erstmals über die schmerzhaften Eiteransammlungen bemerkbar. Dabei können Größe und Lage der Abszesse variieren. Insgesamt werden sie jedoch als sehr unangenehm empfunden und bedürfen einer Behandlung. In sehr seltenen Fällen führen Abszesse zu einem Darmdurchbruch oder einer Bauchfellentzündung mit lebensbedrohlichen Folgen.

Darmverschluss

Auf Grundlage von Morbus Crohn kann sich ein Darmverschluss aus zwei verschiedenen Gründen entwickeln. Entweder entstehen die Unannehmlichkeiten wegen der Bildung von Narben oder aufgrund starker Schwellungen im Darm. Sind Schwellungen für die Erscheinung verantwortlich, so ist es möglich, diese durch eine Magensonde verschwinden zu lassen, indem der Inhalt des Darms über eine Sonde entfernt wird. Ein Darmverschluss äußert sich durch schwerwiegende Verdauungsbeschwerden. Der Speisebrei kann nicht weitertransportiert werden und verbleibt im Organismus. Eine solche Erscheinung kann schwerwiegende Konsequenzen haben und sollte schnellstmöglich behandelt werden. Betroffene leiden unter Verstopfungen, Bauchschmerzen und einer vermehrten Gasbildung. Inwiefern die Symptome auftreten und mit welcher Intensität hängt vor allem von dem Ort des Verschlusses ab. Generell sollte ein Darmverschluss jedoch immer als ernste Komplikation betrachtet werden.

Darmdurchbruch

Unter Umständen kann Morbus Crohn in einem Darmdurchbruch resultieren. Eine solcher Erscheinung ist lebensbedrohlich und muss umgehend durch einen chirurgischen Einsatz entfernt werden. Im Rahmen eines Darmdurchbruchs gelangt Stuhlgang in die Bauchhöhle und sorgt für Entzündungen mit schwerwiegendem Verlauf. Ein Darmdurchbruch aufgrund von Morbus Crohn ist eine seltene Komplikation. Sobald sie jedoch auftritt, ist ein schnelles Handeln gefragt.

Krebs

Die Gefahr für die Entwicklung von Dickdarm- und Mastdarmkrebs ist bei Morbus Crohn zunächst nicht höher als bei gesunden Menschen. Erst wenn die Darmentzündung sich dauerhaft und schwerwiegend auf den Dickdarm auswirkt, steigt das Risiko für einen bösartigen Tumor. Regelmäßige Untersuchungen helfen dabei, Veränderungen des Gewebes schnell zu diagnostizieren.

Mangelernährung

Im Rahmen des Verdauungsprozesses sorgen Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse für die Aufspaltung der gegessenen Nahrung. Auf diese Weise können Nährstoffe ins Blut gegeben werden. Diese wiederum sind für die Versorgung der Zellen mit allen notwendigen Elementen verantwortlich. Bei Morbus Crohn kann es jedoch zu Mangelerscheinungen kommen. Insbesondere bei schweren und lang anhaltenden akuten Schüben ist das Risiko hoch, dass es dem Körper nicht gelingt, die aufgenommenen Nährstoffe fachgemäß zu verarbeiten. Mängel an Vitaminen oder Mineralien führen zu weiteren Komplikationen wie Gewichtsverlust, Wachstumsstörungen oder Blutarmut.

Weitere Komplikationen

Nicht immer verursacht Morbus Crohn Begleiterscheinungen, die lokal auftreten. Stattdessen kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Erkrankung auch auf andere Organe auswirkt. So bilden sich unter dem Krankheitsbild bei einigen Patienten Nierensteine. In der Regel verursachen Nierensteine jedoch keine Beschwerden und werden dementsprechend oft zufällig bei einer Untersuchung diagnostiziert. Bei einigen Patienten haben die Steine jedoch eine Nierenkolik zu verantworten.

Gelenke

Weiterhin kann Morbus Crohn in Gelenkentzündungen resultieren. Diese werden nicht nur als schmerzhaft wahrgenommen, sie sind darüber hinaus dazu in der Lage, die Bewegungsfreiheit stark einzuschränken. Bei den Gelenkentzündungen handelt es sich vor allem um Rheuma.

Augen

Ungefähr 12 Prozent der Patienten beobachten Veränderungen ihrer Augen aufgrund von Morbus Crohn. Hier kommt es insbesondere zu Entzündungen, oft im Bereich der Lederhaut oder mittleren Augenhaut. Es treten Fremdkörpergefühle und Schmerzen auf, einige Patienten klagen über einen Verlust ihres Sehvermögens.

Haut

Hautveränderungen äußern sich durch rötliche Hautknötchen, die sich gerne vermehrt an den Oberschenkeln und in der Nähe von Fisteln ansammeln. Diese entwickeln sich aus Zellen, welche für das Immunsystem charakteristisch sind und weisen äußerliche Verkrustungen auf. In der Mundschleimhaut bilden sich unangenehme Entzündungen. Generell können eitrige Veränderungen an der gesamten Haut nicht ausgeschlossen werden.

Knochen

Insbesondere bei Erwachsenen mit Morbus Crohn lassen sich manchmal Veränderungen der Knochenstruktur beobachten. In den meisten Fällen entwickelt sich Osteoporose: die Knochendichte nimmt zunehmend ab und das Risiko für Verletzungen steigt. Gefährdet sind vor allem Patienten, die lange mit Kortison behandelt wurden oder denen ein Teil des Dünndarms operativ entfernt werden musste. Die Aufnahme von Calcium und Vitamin D soll der Entstehung von Osteoporose vorbeugen. Dabei sollte jedoch nicht zu Milchprodukten gegriffen werden. Es empfehlen sich stattdessen Brokkoli, Rosenkohl, Senfgemüse, Rüben und Grünkohl.

Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse

Wenige Patienten weisen unter Morbus Crohn zudem entzündliche Prozesse im Bereich von Leber und Galle auf. Durch Laboruntersuchungen lassen sich die Entzündungen anhand spezifischer Enzyme diagnostizieren. In dem Gewebe der Leber können sich knötchenartige Anhäufungen von Zellen entwickeln. Diese wiederum produzieren Granulome. Granulome sind typisch für die Darmschleimhaut bei Morbus Crohn. Die Gallengänge können sich auf eine nicht-infektiöse Weise entzünden. Dabei lassen sich Verhärtungen und Verengungen als Konsequenz nicht ausschließen. Medikamente, die gegen Morbus Crohn zum Einsatz kommen, lösen bei einigen Patienten Entzündungen der Bauchspeicheldrüse aus.