Colitis ulcerosa

Colitis ulcerosa ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, die – anders als bei Morbus Crohn – ausschließlich den Dickdarm betrifft. Die Darmerkrankung nimmt meist seinen Ausgangspunkt unmittelbar hinter dem Anus am Mastdarmausgang und wandert in den Dickdarm bis zum Anfang des Dünndarms. Von der chronischen Entzündung ist ausschliesslich die Darmschleimhaut, die Mucosa und die darunter liegende Submucosa betroffen. Meist verläuft die Krankheit in unregelmäßig stattfindenden akuten Schüben statt. Die genauen Ursachen für das Auftreten der Colitis ulcerosa sind (noch) nicht hinreichend bekannt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass genetische Konstellationen eine Rolle spielen und dass Autoimmunreaktionen beteiligt sind. Unbehandelt sind Verlauf und Prognose der Colitis ulcerosa sehr unterschiedlich.

Definition

Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch verlaufende Entzündung der Darmschleimhaut des Dickdarms (Colon). Im Gegensatz zu Morbus Crohn, der chronischen Darmentzündung, die verschiedene Darmabschnitte betreffen kann und nicht nur auf Entzündungen der Darmschleimhaut beschränkt ist, erkranken an der Colitis ulcerosa typischerweise ausschließlich die Darmschleimhaut (Mucosa) und die unmittelbar darunter liegende Submucosa des Dickdarms. Im Verlauf der schubweise verlaufenden Krankheit kommt es zur Ausbildung sogenannter Ulzera, Geschwüren in der Darmschleimhaut des Dickdarms (Colon), denen die Krankheit auch ihren Namen verdankt. Die häufig blutenden Ulzera führen dazu, dass die Colitis ulcerosa während eines Krankheitsschubes meist von blutigem Durchfall und Bauchkrämpfen begleitet wird.

Symptome und Beschwerden

Typisch für den Verlauf der Colitis ulcerosa ist ihr Verlauf in Schüben, die auch im Einzelfall durchaus längere Pausen von bis zu mehreren Jahren einlegen können. Während der Pausen können die Symptome nahezu verschwinden. Besonders während der akuten Schubphasen kommt es zu blutigen – und häufig auch schleimigen oder eitrigen – Durchfällen. Besonders unangenehm ist dabei der andauernde Stuhl- und Harndrang. Die Betroffenen haben permanent das Gefühl, dass sich ihr Darm nicht wirklich entleert hat. Meist werden die Symptome von krampfartigen Bauchschmerzen begleitet. Im Falle eines akuten starken Schubes stellen sich neben dem Durchfall auch hohes Fieber über 38,5 Grad Celsius und Herzprobleme in Form von Herzrasen (Tachykardie) ein. In vielen Fällen kommt noch eine Anämie, eine Blutarmut, hinzu, die den Körper zusätzlich schwächt.

Diagnose und Abgrenzung zu Morbus Crohn

Erste auftretende Symptome der Colitis Ulcerosa sind wie – auch bei Morbus Crohn – eher unspezifisch wie Bauchschmerzen und Durchfall. Erst die länger anhaltenden Beschwerden und sichtbares Blut im Stuhl oder schleimiger Stuhl können erste Verdachtsmomente auf eine eventuelle Erkrankung an Colitis ulcerosa liefern, die der Arzt für eine gründliche Anamnese (Eingangsgespräch) nutzt. Weitere Abklärungen liefern Laborwerte, Stuhluntersuchungen und Ultraschall. Während erhöhte Laborwerte Hinweise auf Vorhandensein von Entzündungen im Körper geben, können über die Stuhluntersuchung bakterielle oder durch eine Vireninfektion verursachte Entzündungen des Darms ausgeschlossen werden. Die wichtigste und eindeutigste Diagnose auf Vorliegen der Colitis ulcerosa ist die Koloskopie, die Dickdarmspiegelung mit Entnahme von Gewebeproben (Biopsie) für eine feingewebliche Untersuchung. Vor allem muss im Zuge der Differentialdiagnostik eine Abgrenzung zu Morbus Crohn und zu anderen entzündlichen Darmerkrankungen mit ähnlichen Symptomatik erfolgen.

Ein besonderes Merkmal ist Beginn und Ausbreitung der Colitis ulcerosa. Die krankhafte Veränderung der Darmschleimhaut beginnt direkt oberhalb des Afters im Rektum und setzt sich weiter flächendeckend im Dickdarm fort bis maximal zur Überleitung vom Dünndarm zum Dickdarm. Das Krankheitsbild bietet daher während der Darmspiegelung eine deutliche Abgrenzungsmöglichkeit zu Morbus Crohn, bei dem der Darm in unregelmäßigen Abschnitten betroffen ist und die Ausbreitung meist vom unteren Bereich des Dünndarms ausgeht und sich über den Dickdarm in Richtung Rektum ausbreitet.

Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf der Colitis ulcerosa ist sehr unterschiedlich. Den meisten Verläufen gemeinsam ist ein Auftreten der Symptome und Beschwerden in akuten oder sogenannten fulminanten Schüben, die von Phasen relativer Beruhigung bis scheinbarer völligen Heilung (Remission) abgelöst werden. Selbst bei chronischem Verlauf der Colitis ulcerosa können die unauffälligen ruhigen Phasen wenige Wochen bis mehrere Jahre betragen. In weniger häufigen Fällen nimmt die Colitis ulcerosa einen chronisch-kontinuierlichen Verlauf, das heißt, dass Symptome und Beschwerden allmählich zunehmen, ohne dass sie von symptomarmen Phasen abgelöst werden.

Plötzlich eintretende fulminante Schübe können durch ein sogenanntes toxisches Megakolon ausgelöst werden. In diesem Fall droht akute Lebensgefahr, weil alle Darmwandschichten entzündet sind, der Dickdarm auf etwa 10 cm Durchmesser angeschwollen ist und jederzeit ein Darmwandbruch mit entsprechenden Folgen eintreten kann. Bei einer derartigen Komplikation ist meist ein unmittelbarer chirurgischer Eingriff notwendig. Weitere Komplikationen im Verlauf der Colitis ulcerosa können durch hohen Blutverlust entstehen oder durch die Ausbildung eines Karzinoms.

Ursachen und Verstärker

Die genauen Ursachen für eine Erkrankung an Colitis ulcerosa sind (noch) nicht abschließend geklärt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es sich – ähnlich wie bei Morbus Crohn – um Überreaktionen des Immunsystems, also letztlich um Autoimmunreaktionen handelt. Weil die Krankheit familiär gehäuft auftritt und weil bei Patienten an bestimmten Genloci entsprechende Genmutationen gefunden wurden, besteht die vorherrschende Fachmeinung, dass für den Ausbruch der Krankheit, die in der Regel im Alter zwischen etwa 20 und 45 Jahren erfolgt, eine genetische Vorprägung vorhanden sein muss. Allerdings löst die genetische Prädisposition nicht zwingend die Krankheit aus, sondern es müssen weitere Faktoren in Form von Umweltbedingungen wie chronischer Stress, Ernährungsgewohnheiten und Lebensumstände, die auf Stärkung oder Schwächung des Immunsystems Einfluss haben, hinzukommen. Wahrscheinlich wird das Auftreten der Colitis ulcerosa durch das gleichzeitige Zusammenspiel mehrerer Faktoren verursacht und der Verlauf der Krankheit wesentlich durch Umwelt- und Umfeldfaktoren beeinflusst.

Es sind vor allem chronische Stresssituationen, die das Immunsystem schwächen in Verbindung mit einseitiger bzw. enzymarmer Ernährung und dadurch einen eher ungünstigen Einfluss auf den Verlauf der Krankheit ausüben. Auch die Hygiene spielt eine Rolle. Hier ist vor allem ein Zuviel an Hygiene zu erwähnen. Wenn das Immunsystem nicht ständig mit körperfremden Keimen konfrontiert wird, um sozusagen „in Übung“ zu bleiben, kann es im Bedarfsfall nicht optimal reagieren.

Behandlung und Therapie

Bei der Therapie der Colitis ulcerosa geht es in der Regel zunächst um die medikamentöse Behandlung akuter Krankheitsschübe, um danach in einer Dauerbehandlung die symptomarme Phase möglichst lange zu erhalten. Je nach Schwere der Symptome und je nach Verträglichkeit stehen für die medikamentöse Behandlung eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung, die oral oder rektal verabreicht werden und in Ausnahmefällen auch intravenös. In erster Linie ist „5-ASA“ zu erwähnen, ein Aminderivat der Salicylsäure, das stark entzündungshemmend (antiinflammatorisch) wirkt und die Autoimmunreaktionen eindämmen soll. Falls die Behandlung nicht genügend Wirkung zeigt, wird zusätzlich das Glukokortikoid Prednisolon verabreicht, das ähnliche entzündungshemmende Wirkungen aufweist wie das körpereigene Hydrocortison. In Einzelfällen können weitere Medikamente zur Immunsuppression notwendig sein oder Antibiotika zur Behandlung einer zusätzlich aufgetretenen bakteriellen Infektion. Alle Behandlungen können durch eine Stärkung des Immunsystems über eine enzymreiche Ernährung (Frischprodukte ohne industrielle Behandlung) und Vermeidung häufiger Stresssituationen unterstützt werden.

Bei schweren Verläufen der Krankheit oder bei Komplikationen z. B. durch das toxische Megacolon kann eine vollständige Entfernung des Dickdarms (Kolektomie) in einem chirurgischen Eingriff notwendig werden.