Behandlung von Morbus Crohn

Keine Heilung in Sicht

Morbus Crohn wird von den Betroffenen in der Regel als sehr unangenehm empfunden. Die lang anhaltenden Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Bauchkrämpfe, starke Bauchschmerzen und ein allgemeines Unwohlsein tragen zu einer Verschlechterung der Lebensqualität bei. Leider ist es bis heute noch nicht möglich, die Erkrankung vollkommen zu heilen. Es existieren aber Medikamente und andere Methoden, um den Entzündungsprozess zu hemmen und die Symptome zu mildern. Dabei unterscheidet sich die Therapie von Patient zu Patient. Letztendlich hängt sie davon ab, welches Ausmaß Morbus Crohn angenommen hat und an welcher Stelle des menschlichen Darms es sich befindet. Weiterhin muss differenziert werden, ob es sich um einen akuten Schub handelt oder um langfristige, begleitende Maßnahmen zur dauerhaften Linderung von Morbus Crohn. Die Behandlung kann die Gesundheit zwar nicht wieder herstellen, bestehende Beschwerden aber so abschwächen, dass sie in der Regel als erträglich empfunden werden.

Akuter Schub

Morbus Crohn wird durch Schübe geprägt. Die unangenehmen Erscheinungen treten nicht dauerhaft auf, sondern in Phasen. Eine optimale Behandlung langfristiger Beschwerden zielt darauf ab, die zeitliche Spanne zwischen den Schüben zu erweitern, so dass es seltener zu den typischen Symptomen kommt. Aber nicht immer kann die dauerhaft angesetzte Therapie das Eintreten von Schüben verhindern. Sobald Patienten bemerken, dass sich Morbus Crohn erneut äußert, helfen unterschiedliche Maßnahmen.

1. Behandlung im unteren Dünndarm

Bei Morbus Crohn im unteren Dünndarm ist das Ziel der Behandlung eines akuten Schubs, die Entzündung weitgehend einzudämmen. Vor der Therapie muss festgestellt werden, wie intensiv Darmschleimhaut oder Darmwand von den entzündlichen Prozessen beeinträchtigt werden. Dementsprechend verabreicht der Arzt dem Patienten lokale Medikamente, die nur an der betroffenen Stelle ihre Wirkung entfalten. Hat sich die Entzündung großflächig ausgebreitet, kommen im Rahmen der Behandlung oft Kortisonpräparate zum Einsatz, die sich auf den gesamten Körper auswirken. Kortison weist entzündungshemmende Eigenschaften auf und eignet sich somit optimal für die Therapie von Morbus Crohn. Gleichzeitig unterdrückt das Medikament Überreaktionen des Immunsystems, welche zu einer Verschlimmerung der Entzündung führen können. Eine solche Behandlung aufgrund eines akuten Schubs muss bei den meisten Erkrankten über mehrere Wochen hinweg konsequent durchgeführt werden. Erst, wenn alle Symptome verschwunden sind, ist das Absetzen der Medikamente möglich. Weniger starke Entzündungshemmer wie zum Beispiel Mesalazin kommen nur dann in Frage, wenn die Morbus Crohn Phase einen sehr milden Verlauf annimmt.

Manchmal hilft aber auch das künstlich produzierte Kortison nicht weiter. Weisen Patienten trotz der Behandlung mit Kortison fortsetzend Symptome auf, müssen sie zusätzlich andere Medikamente einnehmen. Stoffe wie Azathioprin oder 6-Mercaptopurin schränken das Immunsystem in seiner Funktion stark ein. Die Aktivität wird zugunsten der Behandlung der vorliegenden Entzündung erheblich reduziert. Auf diese Weise kann bei hartnäckigen Phasen in der Regel gegen Morbus Crohn Abhilfe verschafft werden. Gleichzeitig ist jedoch das Risiko höher, an anderen Infektionen zu erkranken, weil das Immunsystem bis zu einem bestimmten Grad unterdrückt wird. Zeigt sich die Erkrankung trotz aller Bemühungen nicht einsichtig, bleibt bei einem akuten Schub im unteren Dünndarm nur noch ein Mittel, welches gegen entzündliche Botenstoffe vorgeht. Zu diesen gehören vor allem Infliximab und Methotrexat. Bei der Behandlung mit Methotrexat genügt eine wöchentliche Verabreichung des Medikaments in Form einer Spritze.

2. Behandlung im Dickdarm

Der Darm verfügt über eine Länge von mehreren Metern, die in unterschiedliche Abschnitte differenziert wird. So kann der akute Schub von Morbus Crohn neben dem Dünndarm ebenfalls den Dickdarm betreffen. Bei einem milderen Verlauf der Phase kann Kortison oder Sulfasalazin helfen. Bei den genannten Medikamenten handelt es sich um entzündungshemmende Maßnahmen. Treten nach einigen Wochen keinerlei Verbesserungen auf, wird die Behandlung wie im Falle einer Dünndarminfektion fortgesetzt.

3. Behandlung in Magen oder Speiseröhre

Der Verdauungstrakt besteht nicht nur aus dem Darm. Auch Speiseröhre und Magen gehören aus medizinischer Sicht zu den Verdauungsorganen. Bei Morbus Crohn Schüben wird meistens direkt ein Kortisonpräparat verschrieben, welches seine Wirksamkeit nicht auf lokale Regionen reduziert. Protonenpumpenhemmer reduzieren die Produktion von Magensäure und beugen auf diese Weise die Entstehung von Sodbrennen vor. Patienten, die unter Morbus Crohn im Bereich von Magen, Speiseröhre oder Zwölffingerdarm leiden, müssen in der Regel vermehrt mit akuten Schüben umgehen. Um größere Unannehmlichkeiten zu vermeiden, steht im Zentrum der Behandlung direkt die langfristige Therapie auf Grundlage von Azathioprin.

Langzeittherapie bei Morbus Crohn

Wissenschaftliche Studien offenbaren, dass ungefähr 30 bis 60 Prozent der Patienten innerhalb von 12 Monaten erneut unter einem Ausbruch der Erkrankung leiden. Im Rahmen von zwei Jahren sind es 40 bis 70 Prozent aller Betroffenen. Daraus resultiert, dass nicht jeder Erkrankte nach einem einmaligem akuten Schub in der Zukunft erneut mit der entzündlichen Darmkrankheit rechnen muss. Gleichzeitig ist der Anteil der chronisch Erkrankten jedoch sehr hoch. Weil aber nicht jeder Schub in dauerhaften Phasen mündet, setzt die Langzeittherapie nicht direkt nach den ersten Beschwerden ein. Stattdessen müssen die Symptome zunächst mindestens ein zweites Mal auftauchen.

Im Mittelpunkt der Langzeitbehandlung steht die Ausdehnung der Episoden zwischen zwei akuten Schüben. Auf diese Weise soll die Lebensqualität des Betroffenen verbessert werden. Gleichzeitig möchten Ärzte das erneute Einsetzen von Symptomen vermeiden. Die Dauertherapie wird somit dann eingesetzt, wenn Morbus Crohn sich in chronischen Schüben bemerkbar macht oder das Absetzen des Kortisons nicht möglich ist.

Die Langzeittherapie von Morbus Crohn erinnert an die Behandlung von akuten Schüben. Statt einer vorübergehenden Einnahme sind Patienten jedoch für Jahre an die Medikamente gebunden. Nur eine regelmäßige Einnahme kann den Ausbruch der Erkrankung verhindern. Zunächst kommen Medikamente zum Einsatz, die sich auf das Immunsystem auswirken. Bei diesen handelt es sich vor allem um Azathioprin und 6-Mercaptopuri. Liegen Unverträglichkeiten vor, kann alternativ zu Methotrexat gegriffen werden. Im Rahmen einer solchen Therapie sollen Überreaktionen des Immunsystems vermieden werden. Kortison ist für eine Langzeitbehandlung nicht zu empfehlen. Die dauerhafte Einnahme führt zu weiteren Beschwerden wie Osteoporose oder einem erhöhten Bluthochdruck. Somit wird Kortison nur für die Behandlung akuter Schübe verschrieben und muss innerhalb eines bestimmten Zeitfensters abgesetzt werden.

Tabakkonsum trägt erheblich zum Auftreten neuer Schübe bei. Gleichzeitig verstärkt sich die Intensität der Symptome. Durch den Verzicht auf Zigaretten lässt sich das Risiko für weitere Schübe um ungefähr fünfzig Prozent verringern. Die Mitarbeit des Patienten ist somit Teil einer langfristigen Behandlung.

Als letzte Methode gilt eine Operation, wenn sich Morbus Crohn trotz konsequenter Medikamenteneinnahme nicht unter Kontrolle bringen lässt. Bei dem chirurgischen Einsatz wird der betroffenen Darmabschnitt entfernt. Wenn im weiteren Verlauf der Erkrankung unerwartete Erscheinungen auftreten, wie zum Beispiel Fisteln oder Abszesse im unteren Verdauungstrakt, kann eine Operation unter Umständen ebenso wenig ausgeschlossen werden.