Bcl-3, Ursache für chronische Darmentzündungen entdeckt und neuer Forschungsansatz, das Interleukin-22

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Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und des Helmholtz Zentrums München hatten einen entscheidenden Durchbruch in der Forschung für chronische Darmerkrankungen. Im Darm von Colitis-Patienten wurde das B-Zell-Lymphom-3-codierte Protein, auch Bcl-3 genannt, gefunden. Dies ist ein Onkogen, eine Genmutation. Sie löst bösartige Neubildungen aus und sorgt dafür, dass die Genregulation nicht mehr funktioniert und Krebs entsteht. So wurde es bisher nur in Verbindungen mit einigen Krebsarten gebracht, doch hier löst es die starke chronischen Entzündungen im Darm aus. Es wurde bemerkt, dass bei erhöhten Mengen an Bcl-3 bestimmte Zellen in den Darm eindringen und dort starke Entzündungen auslösen. Das Protein verhindert die Wirkung der regulatorischen T-Zellen, auch Tregs genannt.
Tregs verhindern eine überschießende Reaktion des Immunsystems und bauen eine Toleranz gegenüber dem Körper auf. Sie werden vom Transkriptionsfaktor p50 akiviert. Das Bcl-3 blockiert das p50 und verhindert so die Kommunikation zwischen Transkriptionsfaktores p50 und der T-Zellen. Als Folge dessen wird das Immunsystem nicht mehr reguliert und es enstehen Entzündungsprozesse. Diese Forschungsergebnisse helfen langfristig neue Angriffspunkte für Therapien aufzudecken. Aktuell befasst man sich mit der Suche nach neuen Wirkstoffen. Diese sollen die Interaktion zwischen Bcl-3 und p50 verhindern und so die normale Treg-Funktion erhalten.

Es wurde ein wichtiger Ansatz gefunden der mitverantwortlich dafür ist, dass die Darmschleimhaut bei manchen CED-Patienten nicht ausheilt. Ziel ist es, die Beschwerden der Patienten zu verringern und die Entzündungen im Körper zu stoppen. Doch eine neue Studie zeigt, dass es bald vielleicht eine neue Behandlungsoption gibt. Samuel Huber, Forschungsgruppenleiter an der I Medizinischen Klinik, und seine Kollegen haben einen neuen Mechanismus entdeckt, der bei Patienten die Darmschleimhaut aufrecht erhält. Der Botenstoff Interleukin-22, kurz IL-22, wird von Immunzellen produziert und fördert die Wundheilung. Doch obwohl er in großen Mengen während einer aktiven Krankheitsphase in der Darmschleimhaut nachweisbar ist, kann es seine Aufgabe nicht erfüllen und die Schleimhaut bleibt entzündet. Nachdem die Wundheilung gestoppt ist kommt das Interleukin-22-Bindeprotein, Abkürzung IL-22BP, zum Einsatz und sorgt dafür, dass das regenerative Programm gestoppt wird. Für die Studie wurden Patienten die an Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa litten, in einer akuten Phase der Erkrankung, Gewebeproben aus dem Darm und IL-2 und IL-22BP entnommen. Die Konzentration der Interleukin-22 waren im Vergleich zu gesunden Menschen hoch, gegen die Erwartungen waren auch die IL-22BP leicht erhöht. Dies heißt, dass sie nicht wie normalerweise von dendritischen Zellen hergestellt wurden, sondern von T-Zellen. Da diese beide Interleukine gleichzeitig produzieren, bindet das IL-22BP die IL-22 und setzt diese außer Gefecht. So wird die natürliche Ordnung gestört, die Entzündung kann nicht abklingen und wird chronisch. Bei Versuchen an Mäusen konnte man fest stellen, dass die Entzündungen ohne das von T-Zellen hergestellte Interleukin-22-Bindeprotein abheilten. Falls die dadurch entstehenden Therapieansätze erfolg hätten, wären sie in Zukunft eine wichtige Ergänzung zu den bisherigen Arzneien.

Quellen:
uni-mainz.de
augsburger-allgemeine.de
apotheke-adhoc.de
doccheck.com
news.doccheck.com

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